Billeder Heimatblatt 2007 - ein erster Eindruck

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26.06.08, 11:58:59

Vedder Niklos

geändert von: Vedder Niklos - 26.06.08, 12:08:22

Billeder Heimatblatt 2007, 20. Ausgabe

Sportlich und dynamisch kommt das „Billeder Heimatblatt 2007“ daher. Warum? Das Titelbild zeigt dem Turm der römisch-katholische Kirche. Zwei Männer hängen wie Bergsteiger an einem Seil. Welche Bewandtnis das hat, wird dem Leser im innen des Heftes mitgeteilt.

Peter Krier, der auch mit Beiträgen aus der Banater Post den Landsleuten bekannt sein dürfte würdigt nach dem Vorwort von Werner Gilde die Publikation „20 Jahre Billeder Heimatblatt“.

Es folgt ein Bericht über das Billeder Heimattreffen zu Pfingsten 2007 von Peter Neumann.

Und auf Seite 30 erschließt sich dem Leser, was die beiden „Bergsteiger“ auf dem Turm der Billeder Kirche zu tun hatten; sie führten an der im Jahre 1775 erbauten Kirche Renovierungsarbeiten durch. Wir erfahren von Peter Krier, daß die Billeder Kirche ursprünglich mit Schindeln eingedeckt war und daß die Vorfahren der Banater Schwaben es verstanden haben solide zu bauen; klar ein Gotteshaus baut man ja für die Ewigkeit. So ist das Mauerwerk der Kirche 90 cm dick, wobei die Pfeiler eine Stärke von 140 cm haben. Daß Banater Schwaben was vom Pragmatismus und Offenheit für Neuerungen ihrer Vorfahren geerbt haben kann man auch ersehen, daß bei der Renovierung auch moderne Techniken eingesetzt werden. So erfolgt eine Horizontalisolierung mit einer Paraffinschicht, dabei werden die Wände angebohrt und in die erhitzten Bohrungen wird erhitztes Paraffin eingespritzt. Für die Instandhaltung der Kirche trugen 407 Spender ihr Scherflein bei. Wer sich in die Liste der Spender einreihen möchte, kann das sicherlich noch tun. Das Spendenkonto ist über die HOG Billed zu erfragen.

Das Wahrzeichen Billeds, das man von Temeschburg kommend auf der Landstraße, sozusagen als Visitenkarte, wahrnimmt ist der Kalvarienberg. In kommunistischer Zeit war die Anlage recht verwahrlost. Nun wurde diese christliche Kultstätte vorbildlich wieder hergestellt. Das teilt uns Werner Gilde unter „Kalvarienberg: Hauben für die Stationen“ mit.

Daß das Billeder Heimatblatt eben kein Vereinskäseblättchen ist, zeigt auch der nächste Artikel. In löblicher Weise blicken die Macher des Heimatblattes über den „Tellerrand“ hinaus. Nikolaus Tullius aus Kanada bringt eine Übersetzung aus dem Englischen aus dem Buch „Hungary an Transylvania“. Dem Engländer John Paget (London 1850) viel damals schon die Landschaft des Banats auf, die von ihren arbeitsamen Menschen geprägt war.

Einen wunderbaren Artikel schließt sich auf Seite 38 an. Ein deutscher Reichstagsabgeordneter schrieb 1930 das Buch „Bei den Pfälzern im Banat“. Erschienen in der Aschendorfsche Verlagsbuchhandlung Münster, Westf. Hauptzweck des Autors Hermann Hofmann-Ludwigshafens war eine Studienreise ins Banat zur Erforschung der landwirtschaftlichen Verhältnisse des Banats. Es wird von der Deutschen Ackerbauschule in Voiteg berichtet, dem seinerzeit größten deutschen Schulzentrum in Südosteuropa, der Banatia, die auf hohem pädagogischen Niveau junge Banater Burschen eine hervorragende schulische Ausbildung geboten hat. Der Autor bereiste zahlreiche banater Dörfer, „wo der Wohlstand aus allen Fenstern lacht“ und „ihre (der Banater) Gastfreundschaft duftete aus der Küche“ ...längst vergangene Zeiten. In einer schönen, flüssigen und kurzweiligen Sprache rezensiert Elisabeth Martini dieses Buch.

Gabriele Steinmetz schreibt über „Erlebnisse einer Zwangsarbeiterin“.

Breiten Raum nimmt auch die Reportage über die „Aktivitäten der Trachtenblasmusikkapelle Billed-Alexanderhausen“ ein; eine Chronologie wird dem Leser vorgelegt, die gut geschrieben und interessant ist. Herausragend die 1 m lange Doboschtorte, auf der die Noten eines Walzers zu lesen waren.

Auch eine Wortmeldung über das Herbstfest der Billed-Alexanderhausener Blaskapell in Nürnberg auf Seite 87 ist zu finden und zwar aus der Feder von Vedder Niklos.

Gespickt ist das Heimatblatt mit Lichtbildern teils schwarz/weiß aber auch mit Farbfotos.

Erika Weith klärt uns auf was es mit „Blitzbloohdunnergrien mit Eselsferz gethuppt“ auf sich hat. Ein Artikel so richtig nach meinem Geschmack. Es geht um die Billeder Mundart, die ja eine Moselfränkische ist mit rheinfränkischem Einschlag ist. Gerade jungen Mundartsprechen sei der Appell der „Wortschatzsucherin“, wie sie sich zum Schluß des Artikels nennt, ans Herzen gelegt: „ Vielleicht sind meine Ausführungen für den einen oder anderen eine Anregung, sich mit dem schönsten billederischen (allgemein banatschwäbischen, Vedder Niklos) Wort zu beschäftigen. Je mehr Leute man fragt, desto mehr schönste Wörter erfährt man...“ Diese Anregung möge für alle banatschwäbischen Mundartsprecher gelten.

Überhaupt, gerade jetzt, wo vieles aus dem Kulturleben der Banater Schwaben unterzugehen droht, finde ich es wichtig und richtig sich mit dem Dialekt der Großeltern und Eltern zu beschäftigten, wichtiger noch ihn zu sprechen und wenn möglich dem eigenen Nachwuchs weiter zu geben. Wir sprechen, egal aus welchen Dörfern unsre Eltern und Großeltern stammen, moselfränkische bzw. rheinfränkischen Dialekte, so wie die Leute im Saarland und in Rheinland-Pfalz es tun. Wir brauchen uns wegen unserer Mundart nicht zu schämen! Da auch die meisten Banater Schwaben nun im „Land der Ahnen“, also Deutschland leben, wäre die Beschäftigung mit der Geschichte und der Gegenden aus denen die Vorfahren der Banater Schwaben stammen auch reizvoll.

Jedenfalls ist das Billeder Heimatblatt 2007 eine hervorragende Schrift die keineswegs eigene Nabelschau betreibt, bei allen Beiträgen, die natürlich für Billeder interessant sind. Nein Dank der guten Recherche, des gut lesbaren Schreibstils der Mitwirkenden bietet das Billeder Heimatblatt 2007 jedem Banater Schwabe, dessen Nachkommen und allen Interessierten einen bunten Strauß an Wissenswertem über das Banat und seine Leute. Auf die 21. Ausgabe im Jahre 2008 dürfen wir in großer Vorfreude gespannt sein.

Wer sich aus erster Hand sozusagen mit den lesenswerten Beiträgen des „Billeder Heimatblattes“ auseinandersetzen will, der kann diese Jahresschrift bei der HOG Billed gegen eine Spende von EUR 7,00 anfordern.

 
 
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